Ein solarer Fahrradunterstand ist ein autonomes Mikro-Kraftwerk mit Ladefunktion für E-Bikes. Von außen sieht er aus wie ein gewöhnlicher Fahrradunterstand; im Inneren steckt eine vollständige Energieanlage im schlanken Konstruktionsprofil: Photovoltaik auf dem Dach, Batteriespeicher in einer Säule, Wechselrichter in der anderen, Steuerung mit LTE-Modem, Messung an jeder Steckdose.

Im Folgenden Schritt für Schritt, mit Zahlen und einem Diagramm des Tages-/Jahreszyklus. Preisspannen, Produktübersicht und Montageformalitäten finden Sie in einem separaten Artikel — E-Bike-Ladestation — Arten, Preis, Montage.

Woraus ein solarer Fahrradunterstand besteht

Der Aufbau eines typischen solaren ChargeGo-Fahrradunterstands umfasst sieben Schichten, von oben nach unten:

  1. Photovoltaikmodule 3,48 kWp — 6 monokristalline Module à 580 Wp, montiert in einem Winkel von ca. 8–15° zur Optimierung des Jahresertrags.
  2. Stahlkonstruktion feuerverzinkt, pulverbeschichtet in RAL nach Kundenwunsch. Funktion: Dach + Träger für PV + Kabelkanal + Schutz vor Vandalismus.
  3. Solarwechselrichter + MPPT-Laderegler wandelt Gleichstrom aus der PV in Gleichstrom für den Speicher sowie in 230 V Wechselstrom für die Steckdosen.
  4. LFP-Energiespeicher (LiFePO4) 6 kWh, mit aktiver Beheizung für den Betrieb bis –20 °C.
  5. BMS (Battery Management System) — schützt den Speicher vor Tiefentladung, Überladung und Betrieb außerhalb des Temperaturbereichs.
  6. Elektrischer Verteiler mit FI-Schutzschalter, Leitungsschutzschaltern, SPD II sowie Stromzählern pro Steckdose.
  7. Steuerung mit LTE-Modem — überträgt Daten in die Cloud, empfängt Befehle aus der App, hat einen Notfall-Timer und einen lokalen Offline-Modus.

All das passt in einen Fahrradunterstand mit ca. 16–20 m² Fläche und 2,5 m Höhe — innerhalb eines typischen Anzeigeverfahrens, ohne Baugenehmigung.

Photovoltaik 3,48 kWp — warum genau diese Leistung

Die PV-Leistung wird nicht zufällig gewählt. Ausgangspunkt ist der jährliche Energiebedarf der Station, nicht die maximale Momentanleistung. Wir rechnen so:

Der durchschnittliche Verbrauch einer vollständigen E-Bike-Ladung beträgt 0,5 kWh (500-Wh-Akku + ca. 10 % Ladeverluste). In der Saison bedient ein Fahrradunterstand mit 10 Ladepunkten typischerweise 20–30 Ladungen pro Tag. Das sind 10–15 kWh täglich in der Hochsaison.

Der jährliche PV-Ertrag in Polen für eine 3,48-kWp-Anlage unter optimalem Neigungswinkel beträgt 3100–3650 kWh pro Jahr (Quelle: PVGIS, polnischer Durchschnitt 900–1050 kWh/kWp/Jahr). Die monatliche Verteilung ist sehr ungleichmäßig — von ca. 58 kWh im Dezember bis 520 kWh im Juni.

MonatPV-Ertrag 3,48 kWp (kWh)Ladungen pro Tag
Dezember58~4
März290~19
Juni520~35
September310~21

Warum nicht mehr PV? Weil die Dachfläche des Fahrradunterstands (6 Module × 2 m² ≈ 12 m²) und der tatsächliche Spitzenbedarf die Grenze setzen. 4 kWp zusätzlich an einem Fahrradunterstand mit 10 Ladepunkten bringen im Juli nichts — die Energie lässt sich tagsüber ohnehin nicht nutzen, und ins Netz kann sie nicht eingespeist werden (Off-Grid). 3,48 kWp ist ein guter Kompromiss zwischen Ertrag und Kosten.

LFP-Energiespeicher und Beheizung

Der Energiespeicher erfüllt zwei Funktionen: puffert PV-Energie für die Nacht und glättet kurzfristige Nachfragespitzen, wenn gleichzeitig 8–10 Fahrräder laden (jeweils bis zu 500 W zu Beginn eines Ladevorgangs).

Technologiewahl: LiFePO4 (LFP), nicht NMC oder Blei. Gründe:

  • Sicherheit — LFP zeichnet sich durch hohe thermische Stabilität und ein geringeres Risiko für thermisches Durchgehen aus als viele andere gängige Lithium-Ionen-Chemien. Für öffentliche Infrastruktur ist das nahezu eine regulatorische Anforderung.
  • Haltbarkeit — 4000–6000 Ladezyklen (vs. ~1500 bei NMC). Realistisch 10–15 Jahre Betrieb.
  • Temperaturbereich — der Speicher arbeitet von –20 bis +60 °C; LFP behält bei niedrigen Temperaturen gute Eigenschaften, NMC verliert schneller Kapazität.
  • Energiedichte ist niedriger als bei NMC, in einem Fahrradunterstand kommt es aber nicht auf Gramm an.

Die Kapazität von 6 kWh ergibt sich aus der Nachtbilanz: Wenn in der Saison ein Drittel der Ladungen auf Abend und Nacht fällt (ca. 6 kWh), brauchen wir einen Puffer, der diese bis zum nächsten Tag abdeckt. Größerer Speicher = höhere Kosten ohne proportionalen Nutzen; kleinerer = Risiko, dass ein Gast mit einem abendlichen E-Bike eine leere Station vorfindet.

Winterbeheizung

Das wichtigste Konstruktionsdetail — und zugleich das in günstigen importierten Fahrradunterständen am häufigsten übersehene. Das LFP-BMS erlaubt kein Laden der Zellen unter 0 °C (Risiko dauerhafter Schäden). Im polnischen Winter bedeutet das: Ein Fahrradunterstand ohne Beheizung lädt sich bei den meisten Frostperioden nicht mit Sonnenenergie auf.

ChargeGo (und jede seriöse Konstruktion in diesem Segment) verfügt über ein aktives Speicherheizsystem: Ein Temperatursensor überwacht die Zellen, und wenn sie unter +2 °C fallen, schaltet sich eine Heizung ein, die aus Reserveenergie gespeist wird. Die Energie für die Beheizung stammt aus dem Speicher selbst (einige Prozent), sodass das System autark bleibt.

Wechselrichter und der 230-V-Zweig

Die Energie aus der Photovoltaik fließt in dieser Reihenfolge: Module → MPPT (verfolgt den maximalen Leistungspunkt) → Gleichstromschiene → BMS-Ladegerät des Speichers. Für die Steckdosen: Gleichstromschiene → Wechselrichter → 230-V-Wechselstromschiene → Steckdosen.

Ein typischer Wechselrichter für einen Fahrradunterstand mit 10 Ladepunkten hat 1,5–3 kVA Leistung. Warum nicht mehr? Weil der tatsächliche Spitzenbedarf 4 Ladegeräte × 300 W ≈ 1,2 kW beträgt; selbst bei voller Auslastung überschreiten wir selten 1,5 kW. Ein 3-kVA-Wechselrichter bietet Reserve für 8–10 gleichzeitige Ladevorgänge und E-Scooter (die kurzzeitig etwas mehr ziehen).

Wichtig: Nicht alle Steckdosen sind gleichzeitig mit voller Leistung aktiv. Die ChargeGo-Steuerung nutzt die Logik der „dynamischen Leistungsverteilung“ — wenn alle 10 Steckdosen angeschlossen sind, stellt das System die Ladevorgänge in eine Warteschlange oder begrenzt den Strom an jeder Steckdose. Eine aus EV-Wallboxen bekannte Lösung, auf die Mikromobilität übertragen.

Energiebilanz im Tageszyklus

Ein typischer Sommertag im August in Mittelpolen, Fahrradunterstand mit 10 Ladepunkten, Berghotel:

  • 5:00–8:00 — der Fahrradunterstand erwacht aus dem Nachtmodus, Speicher bei ca. 60 % (nach nächtlichen Ladungen). Die Steuerung wacht auf und wartet auf QR-Codes.
  • 8:00–12:00 — PV-Produktion steigt auf ~2 kW. Erste Gäste starten auf die Route, Laden der Abendakkus (~3 kWh). Der Speicher füllt sich weiter.
  • 12:00–16:00 — Produktionsspitze, Speicher voll bis 95 % (BMS lädt nicht auf 100 %, um die Lebensdauer zu verlängern). Der Überschuss fließt direkt an die Steckdosen oder geht verloren (Off-Grid).
  • 16:00–20:00 — Gäste kehren von der Route zurück, Spitzenlast an den Steckdosen. Energie fließt gleichzeitig aus PV + Speicher. Speicher sinkt auf ca. 70 %.
  • 20:00–5:00 — Ladevorgänge am Abend (Abendessen, lange Touren), Speicher sinkt auf ca. 40–50 %. Steuerung im Energiesparmodus, LED-Beleuchtung 5 %, LTE-Modem schläft alle 10 Min.

Im Winter sieht diese Kurve völlig anders aus — PV produziert 5–10× weniger, der Speicher liefert den Großteil der Energie, und die Nutzung ist ohnehin geringer (wenige Radfahrer). Deshalb arbeitet der Fahrradunterstand ganzjährig ohne einen 50-kWh-Speicher.

Energiebilanz im Jahreszyklus

Saisonalität ist entscheidend für die Planung. Ein Fahrradunterstand mit 3,48 kWp und 6 kWh reicht für:

  • Berghotel mit 20–30 Zimmern und Saison Mai–Oktober — 100 % ohne Einschränkungen.
  • Bürogebäude mit 200 Mitarbeitenden und ganzjährigem Pendelverkehr — im Dezember bis Februar kann ein Hybridmodus nötig sein (kurzes nächtliches Nachladen aus dem Netz).
  • Radfahrer-Servicepunkt (MOR) an einer Velo-Route — in der Saison völlig autonom; außerhalb der Saison wenig Nutzung, der Speicher bleibt auf Grundniveau.
  • Einkaufszentrum in der Stadt — Hybridbetrieb mit PV vom Dach des Einkaufszentrums (falls vorhanden) als Winterergänzung möglich.

Für Objekte mit ganzjährig intensiver Nutzung eignet sich der Hybridmodus mit garantiertem Netzzugang besser — im Standardangebot gibt es derzeit keine Variante mit einem Speicher größer als 6 kWh.

Steuerung und Messung — was der Betreiber sieht

Im Inneren der Steuerung steckt ein kleiner Computer (RPi 4 + Custom-Firmware) mit LTE-Modem und 4–8 GB Speicher für Offline-Daten. Jede Minute erfasst er:

  • SoC des Speichers (State of Charge)
  • Temperatur der Zellen und des Gehäuses
  • Aktuelle PV-Leistung
  • Status jeder der 10 Steckdosen (off / idle / charging / fault) und Strom an jeder
  • Modemstatus und LTE-Netz-RSSI
  • Öffnung der Wartungstür (Sabotage)
  • Temperatur des Steuerschranks

Der Betreiber (z. B. Hoteldirektor) sieht diese Daten in der ChargeGo-App oder im Web-Panel. Konkret:

  • Anzahl der Ladevorgänge pro Tag und deren Dauer
  • Energieverbrauch täglich/monatlich/jährlich — für CO₂- und ESG-Berichte
  • Auslastung der Ladepunkte — welche am beliebtesten sind, wie lange sie belegt sind
  • Alarme — Speicher unter 30 %, Steckdose meldet fault, kein LTE >15 Min.
  • Audit-Logs — wer, wann und wie viel geladen hat (für Abrechnung oder Berichte)

Betriebsmodi: autonom, hybrid, Notfall

Ein solarer Fahrradunterstand hat drei Hauptbetriebsmodi:

Autonomer Modus (Off-Grid)

Ohne Anschluss ans Stromnetz. Die gesamte Energie aus PV und Speicher. Geeignet für Radfahrer-Servicepunkte (MOR), Velo-Routen, Parks und Berghotels ohne Netzanschluss in der Nähe.

Hybridmodus (On-Grid)

Der Fahrradunterstand hängt im „Backup“-Modus am 230-V-Netz — er nutzt PV und Speicher als erste Quelle, lädt den Speicher bei Defizit aber aus dem Netz nach. Geeignet für Bürogebäude und Wohnanlagen mit ganzjährig intensiver Nutzung.

Notfallmodus

Der Speicher fällt unter den kritischen SoC (typisch 10 %). Die Steuerung schaltet alle Steckdosen ab und hält nur die Speicherbeheizung (im Winter) und die Statusmeldungen aufrecht. Sobald die PV den Speicher wieder über 25 % geladen hat, kehrt der Fahrradunterstand in den Normalbetrieb zurück.

Häufigste technische Fragen

Altert der LFP-Speicher? Nach wie vielen Jahren muss er ausgetauscht werden?

LFP hat eine Lebensdauer von 4000–6000 vollen Zyklen bis zu 20 % Kapazitätsverlust. Realistisch fährt ein Fahrradunterstand 200–250 Zyklen pro Jahr (die meisten davon Teilzyklen, keine vollen). Nach 10 Jahren hat der Speicher ca. 80–85 % der Nennkapazität. Realer Austausch nach 12–15 Jahren.

Was passiert, wenn die PV-Module mit Schnee bedeckt sind?

PV produziert 0 W. Der Fahrradunterstand arbeitet aus dem Speicher. Ein 6-kWh-Speicher reicht für ca. 12 Ladungen — bei winterlicher Nutzung meist für 2–3 Tage. Die Dachneigung beträgt 8–15°, sodass Schnee bei Temperaturen >0 °C von selbst abrutscht.

Braucht der Fahrradunterstand Wartung?

Ja, aber minimal. Reinigung der PV-Module alle 1–2 Jahre (Regen reicht meist). Prüfung von FI und Leitungsschutzschaltern einmal jährlich (empfohlen PN-IEC 60364-6). Servicebesuch alle 5 Jahre (BMS, Verbindungen, Erdung prüfen). Alles dokumentiert in der Betreiber-App.

Was ist mit Blitzschlag?

Die Konstruktion hat Erdung nach PN-EN 62305, zweistufigen Überspannungsschutz (SPD I + II) am Verteiler sowie Blitzschutz bei Fahrradunterständen über 2,5 m Höhe. Ein durch Blitz beschädigtes PV-Modul ist von der Garantie des Modulherstellers abgedeckt (üblicherweise 10–25 Jahre).

Kann ich eine Kamera, LED-Beleuchtung oder Monitoring hinzufügen?

Ja. ChargeGo unterstützt standardmäßig IP-Kamera (RTSP), 12-V-LED-Beleuchtung mit Bewegungssensor, Touchscreen mit Werbung für das Objekt und RFID-Leser für eine geschlossene Nutzergruppe (z. B. Bewohner einer Wohnanlage). Alles optional und nachträglich ergänzbar, wenn nicht von Anfang an geplant.